Wie wird Leder hergestellt?

Leder ist mittels Gerbung chemisch haltbar gemachte Tierhaut. Die natürliche Faserstruktur bleibt dabei weitgehend erhalten. Das Leder wird aus der sogenannten Lederhaut (auch Dermis genannt) gewonnen.

Grundsätzlich kann jede tierische Haut zur Lederherstellung verwendet werden. Die meisten verwendeten Häute fallen als „Abfallprodukte“ bei der Schlachtung an. Sie stammen meist von Rindern, Kälbern, Schafen, Ziegen, Schweinen und Pferden. Auf diese Weise muss kein Tier wegen der Beliebtheit seiner Haut sterben. In der Modebranche erfreuen sich aber auch exotische Lederarten wie Krokodil, Antilope, Känguru, Strauß, diverse Fischarten wie Aal und Rochen, sowie Schlange zunehmender Beliebtheit.

Wie aber wird die Haut, die noch weit entfernt ist von der Beschaffenheit, die wir kennen, zum fertigen Leder?

  • Zunächst wird die Haut gewaschen, um sie von Verunreinigungen und Dung zu befreien. Danach wird sie geäschert, was heutzutage chemisch erfolgt und nicht mehr, wie früher, mittels Holzkohle. Das Äschern sorgt für die vollständige Haarentfernung und die Auflockerung des Kollagengefüges der Haut.
  • Der zweite Schritt ist das Abschaben der Fett- und Bindegewebsreste mit einer speziellen Entfleischmaschine.
  • In mehreren Arbeitsschritten wird nun die Haut durch biochemische Prozesse wie „Entkälken“, „Beizen“ und „Pickeln“ für die eigentliche Gerbung vorbereitet bzw. aufnahmefähig gemacht.
  • Für die erste eigentliche Gerbung, also die Verwandlung der rohen Haut in haltbares Leder können pflanzliche, mineralische oder Synthetische Gerb-Methoden angewendet werden. Bei der pflanzlichen (vegetabilen) Gerbung werden beispielsweise Gerbstoffe aus Eichen- oder Fichtenrinden verwendet. Bei der Mineralgerbung kommen vor allem Chromsalze oder Aluminiumsalze zum Einsatz. Für den Gerbvorgang werden heute große Fässer oder Trommeln verwendet.
  • Das auf eine dieser Arten durchgegerbte und abgepresste Leder durchläuft noch einige finale Arbeitsgänge. Ist es zu dick, wird es gespalten, auch die Färbung und Fettung gehört zu diesen Arbeitsschritten. Die Färbung im Fass ermöglicht die feste Bindung löslicher Farbstoffe an die Lederstruktur. Das Leder wird vollständig durchdrungen.
  • Der anschließende Trocknungsvorgang sorgt zunächst dafür, dass sich das gegerbte und gefärbte Material sehr steif anfühlt. Da aber Geschmeidigkeit gewünscht ist, wird eine weitere mechanische Bearbeitung („Millen“ und „Stollen“) notwendig, welche das Leder weichmachen. In früheren Zeiten wurde das Leder in Handarbeit weichgeknetet, diesen Vorgang übernehmen heute jedoch spezielle Maschinen und Millfässer.
  • Nun erfolgt der letzte Arbeitsgang: das Leder wird entsprechend seiner Verwendung zugerichtet. Diesen Vorgang nennt man auch „Zurichtung“. Hierbei erhält das Leder noch einige dauerhafte Eigenschaften wie angenehme optische Merkmale und spezielle (z. B. modische) Effekte. Die Materialoberfläche erfährt noch einige geschickte Korrekturen, z. B. die Kaschierung schadhafter Stellen (aus Narben). Wie das funktioniert? Bei fehlerhaften Ledern kann hier eine dicke zusätzliche Farbschicht aufgetragen werden. Anschließend wird die Lederstruktur mittels einer Prägewalze so aufgebracht, dass eine fehlerhafte Stelle nicht mehr von der normalen Lederstruktur zu unterscheiden ist.

Die Lederherstellung in den Industrienationen wurde größtenteils automatisiert, was aber das wachsame Auge von Fachpersonal nicht überflüssig macht. In früheren Zeiten war die Ledergerbung eine für Mensch und Umwelt durchaus gefährlicher Vorgang, bei dem ätzende Mittel zum Einsatz kamen, die nicht selten dafür sorgten, dass Kinder zu Waisen und Ehefrauen zu Witwen wurden.

Auch heute noch werden in weniger fortschrittlichen Ländern, wie z. B. Marokko (in der Hauptstadt Marrakesch) Tierhäute auf primitivste, aber effektive Art bearbeitet. Doch die Geruchs- und Umweltbelästigung sorgte schnell dafür, dass die Gerberviertel aus dem Stadtzentrum verbannt wurden. Neugierige Touristen überlegen sich nach Besichtigung (und geruchlicher Wahrnehmung) den Kauf von marokkanischen Lederprodukten zweimal. Denn ein schöner Anblick ist dies sicherlich nicht.

Allerdings muss Tierhaut zur Haltbarmachung gegerbt werden, denn schließlich wissen wir alle die unvergleichlichen Eigenschaften des einzigartigen Materials durchaus zu schätzen. Wird es gut gepflegt, ist Leder wasserdicht und atmungsaktiv, kann wunschgemäß verarbeitet werden und hält ein Leben lang.


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