Die Geschichte des Leders

Die Verwendung von Leder ist eng mit der Menschheitsgeschichte verbunden und in seiner Entstehungsgeschichte fast genauso alt wie diese, denn Felle und Tierhäute spielten schon in der Frühzeit eine große Rolle. Echtes Leder ist seit der Antike bis hin zur Neuzeit einer der wichtigsten Rohstoffe, der bis heute für zahlreiche Gebrauchsgegenstände verwendet wird.

Schon in der Frühgeschichte waren Felle und Tierhäute für die Menschen von großer Bedeutung. Dass Felle und Tierhäute schon vor tausenden vor Jahren zu den gängigen Gebrauchsgegenständen gehörten, zeigen Höhlenmalereien. Erlegten Tieren wurden das Fell und die Haut zunächst einmal abgezogen, um an das nahrhafte Fleisch zu gelangen. Doch schnell entdeckten die Menschen, dass Felle und Häute ein guter Schutz vor Kälte, Nässe und Verletzungen waren. Felle und Häute wurde jedoch zunächst in der Frühzeit nur solange genutzt, bis sie dem natürlichen Verfall erlegen waren. Vom Gebrauch von Leder kann man bis dahin daher noch nicht wirklich sprechen. Doch als die Menschen begannen das Feuer zu beherrschen, entdeckten sie auch die gerbende Wirkung von Rauch. Durch das Gerben von Tierhäuten werden diese konserviert und haltbar gemacht. Die Rauchgerbung ist daher vermutlich die älteste Art des Gerbens.

 

Das erste Leder – mehr als 5000 Jahre alt

Die 1991 in den Ötztaler Alpen entdeckte Mumie des Gletschermanns „Ötzi“ war auch in Hinblick auf die Geschichte des Leders ein echter Sensationsfund. Die rund 5300 Jahre alte Mumie war mit Fell und Leder bekleidet, trug eine Mütze aus Fell und Schuhe aus Leder. Damit wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass bereits vor mehr 5000 Jahren das Gerben und Konservieren von Leder ein allgemein bekanntes und genutztes Handwerk war.

 

Die Antike – Blütezeit der vegetabilen Gerbung

Schon in der Antike war die Herstellung von Leder ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die Römer setzten zum Gerben vorwiegend pflanzliche Materialien wie Baumrinden oder Eicheln ein. Leder wurde auch schon in der Antike zur Herstellung zahlreicher Gebrauchsgegenstände benötigt. Die vegetabile (pflanzliche) Gerbung war jedoch eine Arbeit, die wenig geachtet und nur von Sklaven ausgeführt wurde. Unhygienische Arbeitsbedingungen und vor allem der furchtbare Gestank in den Gerbereien waren die Gründe dafür. Doch gab es bereits große Betriebe, die sich ausschließlich mit der Herstellung von Leder beschäftigten. So wurden in Pompeji die Reste einer großen Gerberei freigelegt, die zeigen, wie wichtig die Lederherstellung bereits in der Antike war.

 

Lederherstellung und Lederverarbeitung im Mittelalter

Im Mittelalter war Leder ein wichtiges und hoch geschätztes Material. Dennoch galt auch im Mittelalter die Herstellung von Leder noch als ein schmutziges und gefährliches  Geschäft, das den Gerbern wenig gesellschaftliche Anerkennung zukommen ließ. Überall in Europa entstanden Lederwerkstätten und die Gerbereien des Mittelalters erreichten oftmals eine beachtliche Größe. Doch die giftigen Chemikalien verursachten einen unglaublichen Gestank und die Gerber konnten sich bei ihrer Arbeit schnell mit Milzbrand und anderen gefährlichen Krankheiten infizieren. Die Gerbereien mussten sich daher in den Städten zumeist in bestimmten Vierteln ansiedeln und die Gerberei galt im Mittelalter als „unreines“ Handwerk.

Im 14. Jahrhundert trennten sich die Lederherstellung und die Lederverarbeitung in zwei verschiedene Zünfte auf und auch die Gerberei wurde in verschiedene Bereiche aufgeteilt. So wurden Rotgerber, Weiß- und Sämischgerber und Pelzzurichter unterschieden. Die Rotgerber konservierten und gerbten das Leder auf pflanzlicher Basis. Die Weiß- und Sämischgerber nutzten zur Gerbung Fischtran und Aluminiumsalze, während die Pelzzurichter ausschließlich die Felle bearbeiteten.

 

19. Jahrhundert bis heute

Im Jahr 1858 entwickelte sich eine neue Gerbmethode mit Chromsalzen, die bis heute als die gängigste Methode zur Lederherstellung gilt. Durch die Verwendung von Chromsalzen wird die Gerbzeit deutlich kürzer als bei allen anderen Methoden und das Leder wird so resistenter gegen Abnutzung und Umwelteinflüsse. Während der industriellen Revolution wurde Leder erstmalig in Fabriken hergestellt und der Herstellungsprozess mit Maschinen durchgeführt. Bis heute ist Leder ein Rohstoff, der aufgrund seiner Hochwertigkeit und Vielseitigkeit zur Herstellung zahlreicher Produkte verwendet wird. Auch die Entwicklung des Kunststoffes konnte das Naturprodukt nicht verdrängen. So wie in der Vergangenheit wird Leder auch in Zukunft immer eine große Bedeutung haben.


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